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Das vergessene Umland

Die meisten Suchen beginnen am Wasser und enden dort. Dabei liegt zehn bis vierzig Autominuten landeinwärts oft das bessere Angebot: die halben Preise, ganzjährig bewohnte Orte, Landschaft statt Promenade — und eine Nachbarschaft, die auch im Februar noch da ist.

Das ist kein Kompromiss, sondern eine eigene Kategorie. Wer das Meer in zwanzig Minuten erreicht, aber nicht daran wohnt, kauft Ruhe und Substanz zum Preis einer Autofahrt. Drei Gründe, warum sich der Blick nach hinten lohnt.

Wo der Wein wächst

Jede meiner sechs Regionen hat ein landwirtschaftlich geprägtes Hinterland, und in fast allen ist es Weinland. Westlich von Valencia beginnt nach knapp einer Autostunde die DO Utiel-Requena, Heimat der Bobal-Traube, die als besonders reich an Resveratrol gilt, einem Antioxidans aus der Traubenschale. Bei Barcelona liegt der Alt Penedès mit Sant Sadurní d’Anoia, dem Zentrum des Cava. Zwischen Valencia und Alicante, gut eine Stunde von der Küste entfernt, liegen die Terres dels Alforins um Fontanars und Moixent — sanfte Hügel, Steineichen, alte Güter, weshalb die Gegend gelegentlich valencianische Toskana genannt wird. Sie ist selbst in Spanien kaum bekannt. Auch bei Altea selbst wird Wein gemacht — die Bodega Enrique Mendoza in Alfaz del Pi ist eine der wenigen, die ich aus eigenem Besuch kenne. Bei Jávea prägen die Moscatel-Lagen um Teulada und Benissa das Bild, und bei Gijón beginnt eine halbe Stunde östlich die Comarca de la Sidra: Villaviciosa, Nava, Colunga, mit Llagares, die man besichtigen kann wie Bodegas.

Was diese Gegenden verbindet, ist nicht der Wein, sondern die Folge davon: gewachsene Orte mit eigener Wirtschaft, die nicht von einer Saison abhängen.

Wo die Berge anfangen

In drei meiner sechs Regionen lassen sich Meer und Schnee am selben Tag erreichen. Von Gijón liegt Fuentes de Invierno gut eine Autostunde entfernt, in der kantabrischen Zentralkordillere, mit rund 450 Metern Höhenunterschied unterhalb von Gipfeln um 2.000 Meter. Von Valencia sind es etwa eine Stunde und vierzig Minuten nach Javalambre in Teruel, dessen höchster Punkt bei rund 2.000 Metern liegt; das benachbarte Valdelinares reicht ähnlich hoch. Von Barcelona erreicht man in gut zwei Stunden die Cerdanya, wo La Molina von 1.667 auf 2.537 Meter führt — das ist alpines Format.

Höhe allein sagt allerdings weniger über Schneesicherheit aus, als man denkt. Aufschlussreicher ist die Beschneiung: Valdelinares arbeitet mit rund 170 Schneekanonen, was die Saison dort planbar macht. Fuentes de Invierno hat bis heute keine — die Pisten leben vom Naturschnee, was in guten Wintern reizvoll und in schlechten ernüchternd ist. Wer Wintersport als Kriterium ernst nimmt, sollte danach fragen, nicht nach Metern.

Wo niemand hinfährt

Bleiben die Orte, die keine Kategorie haben. Hinter der Sierra de Bernia, in Sichtweite von Altea, liegen Bolulla, Tàrbena, Benimantell und Quatretondeta — dieselbe Landschaft wie in den Reiseführerdörfern, nur ohne Reisebusse. Im Vall de Laguar und um Murla und Benigembla dasselbe Bild. Auf Mallorca sind es die Dörfer am Fuß der Tramuntana abseits der bekannten Namen: Caimari, Selva, Mancor de la Vall, wo mallorquinisch gesprochen wird und die Bäckerei das ganze Jahr geöffnet hat.

Solche Orte findet man nicht über Portale. Man findet sie, indem jemand sie einem zeigt.

Im Gespräch gehen wir durch, welche dieser Gegenden zu Ihren Vorstellungen passt — und welche Sie sich sparen können.